Europa will bei Künstlicher Intelligenz nicht nur mitreden, sondern mitgestalten. Und dafür braucht es mehr als gute Ideen: eigene Rechenleistung, Wissen und ein starkes Netzwerk. Ein zentraler Baustein dafür sind die AI Factories. Doch was verbirgt sich eigentlich hinter dem Begriff – und was haben Unternehmen davon? Wir schauen es uns genauer an.

Wir haben dabei einen ganz persönlichen Grund: HUMABLY ist in den Coworking Hub der AI Factory Austria in Wien eingezogen. 💜

Was ist eine AI Factory?

Eine AI Factory ist weit mehr als ein Supercomputer.

AI Factories sind europäische KI-Ökosysteme, die Rechenleistung, Daten und Know-how zusammenbringen. Sie entstehen rund um die europäischen Hochleistungsrechner des EuroHPC Joint Undertaking und sollen insbesondere Start-ups, KMU, Forschung und öffentliche Einrichtungen dabei unterstützen, KI-Modelle und -Anwendungen zu entwickeln, zu trainieren, zu testen und in die Praxis zu bringen.

Dazu gehören nicht nur leistungsfähige Rechenressourcen, sondern auch technische Unterstützung, Beratung, Weiterbildung und Vernetzung.

Das Ziel dahinter ist größer: Europa möchte eigene Kapazitäten für leistungsfähige, sichere und vertrauenswürdige KI aufbauen – und damit seine technologische und digitale Souveränität stärken.

Was steckt hinter dem europäischen Projekt?

Das Netzwerk wächst schnell: Mittlerweile gibt es europaweit 19 AI Factories und 13 sogenannte AI Factory Antennas, die den Zugang zu diesen Angeboten in weitere Länder bringen.

Mindestens neun neue KI-optimierte Supercomputer werden dafür aufgebaut. Damit soll sich die KI-Rechenkapazität des europäischen EuroHPC-Netzwerks mehr als verdreifachen.

Auch finanziell ist das Projekt ambitioniert. Von 2021 bis 2027 investieren EU, Mitgliedstaaten und assoziierte Länder über EuroHPC insgesamt rund 10 Milliarden Euro in Supercomputing-Infrastruktur und AI Factories.

Die EU meint es also ernst mit dem Aufbau eigener KI-Kapazitäten.

Warum macht Europa das?

Hinter den AI Factories steckt eine größere strategische Frage: Wie kann Europa KI entwickeln und einsetzen, ohne bei zentraler Infrastruktur vollständig von anderen Weltregionen abhängig zu sein?

Rechenleistung ist längst zu einer strategischen Ressource geworden. Wer große Modelle trainieren, bestehende Modelle weiterentwickeln oder anspruchsvolle KI-Anwendungen betreiben möchte, braucht entsprechende Infrastruktur. Gerade für Start-ups, KMU und Forschungseinrichtungen ist der Zugang dazu jedoch häufig schwierig oder teuer.

Die AI Factories sollen diese Hürde senken.

Gleichzeitig verfolgt Europa einen eigenen Anspruch: KI soll nicht nur leistungsfähig sein, sondern auch sicher, vertrauenswürdig und mit europäischen Werten und Regeln vereinbar entwickelt werden. Damit sind die AI Factories auch ein Baustein europäischer digitaler Souveränität.

Was haben Unternehmen konkret davon?

Die Angebote unterscheiden sich je nach Standort und Spezialisierung. Grundsätzlich geht es aber um deutlich mehr als GPU-Zeit. AI Factories bieten beziehungsweise vermitteln unter anderem:

  • Zugang zu KI-optimierter Hochleistungsrechenleistung
  • Unterstützung bei Entwicklung, Training und Weiterentwicklung von KI-Modellen
  • Daten- und Software-Services
  • technische Beratung und Projektunterstützung
  • Aus- und Weiterbildung
  • Zugang zu KI-Experten
  • Vernetzung von Unternehmen, Start-ups, Forschung und öffentlicher Verwaltung
  • Unterstützung auf dem Weg von der KI-Idee zur praktischen Anwendung

Damit sollen sie insbesondere Start-ups und KMU Möglichkeiten eröffnen, die bislang häufig nur sehr großen Technologieunternehmen zur Verfügung standen. Und genau das macht die Initiative spannend: Nicht jede Organisation muss ihre eigene KI-Infrastruktur aufbauen, um innovative Anwendungen entwickeln zu können.

Und was passiert in Österreich?

Mit der AI Factory Austria (AI:AT) ist Österreich Teil dieses europäischen Netzwerks. Die AI Factory AI:AT wird vom AIT Austrian Institute of Technology und Advanced Computing Austria (ACA) geleitet und gemeinsam mit einem österreichweiten Konsortium aus Universitäten, Forschungseinrichtungen und weiteren Partnern umgesetzt. Das Gesamtvolumen des Vorhabens beträgt rund 80 Millionen Euro.

Das erklärte Ziel: wirksame, souveräne und vertrauenswürdige KI für Österreich. Dafür verbindet AI:AT europäische Rechenleistung mit Beratung, technischer Expertise, Weiterbildung und Vernetzung. Das Angebot reicht von KI-Infrastruktur und Plattformzugang über KI- und Datenimplementierung, Business Development und Weiterbildung bis hin zu Ethik, Compliance und Regulierung.

Doch AI:AT ist nicht nur eine digitale Infrastruktur. Mit dem AI Coworking Hub in Wien-St. Marx gibt es jetzt auch einen physischen Ort, an dem Start-ups, Unternehmen, Forscher und Innovatoren zusammenkommen. Denn Innovation entsteht nicht auf Servern, sondern dort, wo Menschen Wissen teilen, Ideen hinterfragen und gemeinsam Neues entwickeln.

Mittendrin: HUMABLY im AI Coworking Hub

Genau dort sind wir mit HUMABLY eingezogen. 💜

Warum uns das freut? Weil hier vieles zusammenkommt, das wir auch für entscheidend halten: Technologie, Wissen, Governance und Menschen, die gemeinsam daran arbeiten, KI sinnvoll in die Praxis zu bringen.

Denn so leistungsfähig die Infrastruktur auch sein mag: Gute KI entsteht nicht durch mehr Rechenleistung. Es braucht Menschen, die wissen, wie sie eingesetzt wird. Organisationen, die Verantwortung übernehmen. Und Governance-Strukturen, die Innovation ermöglichen, statt erst dann aufgebaut zu werden, wenn etwas schiefgeht.

Genau an dieser Schnittstelle arbeiten wir mit HUMABLY.

Umso mehr freuen wir uns auf den Austausch mit den Menschen hinter dem Team der AI:AT, anderen Unternehmen und Start-ups, der Forschung und dem gesamten europäischen Netzwerk. Und auf die Ideen, Gespräche und Kooperationen, die daraus entstehen.

Denn die Zukunft der KI braucht Menschen, die etwas Sinnvolles daraus machen. Wir sind gespannt, was dort entsteht – und freuen uns, ein Teil davon zu sein. 💜

Mehr erfahren

Wer tiefer einsteigen möchte, findet hier weitere Informationen:

  • AI Factory Austria – AI:AT — Informationen zur österreichischen AI Factory, ihren Services, dem Coworking Hub und Möglichkeiten zur Teilnahme.
  • European Commission – AI Factories — Überblick über die europäische AI-Factories-Initiative und die Standorte in Europa.
  • EuroHPC Joint Undertaking – AI Factories — Informationen zu Infrastruktur, Zugangsmöglichkeiten und Services der europäischen AI Factories.
  • AI Continent Action Plan — Der größere strategische Rahmen der EU für den Ausbau der europäischen KI-Infrastruktur und KI-Wirtschaft.
  • Europäische AI Gigafactories — Zusätzlich sollen AI Gigafactories entstehen: speziell für besonders rechenintensive KI-Entwicklung ausgelegte Großinfrastrukturen. Eine solche Gigafactory soll mehr als 100.000 hochentwickelte KI-Prozessoren miteinander verbinden.